Swiss Tour 2005

Reisebericht: Aadorf, Filisur, Albula, St.Moritz, Maloja, Lugano, Luino, Locarno, Gotthard, Aadorf (672 km)

Mit dem w123 auf dem Gotthard Pass

1. Tag: 13.Sep.2005, Abfahrt 8:30 Uhr

Erste Pause für Fahrer (Joachim Sauter) und des 200D
Erste Pinkelpause nach 145 km bei Tiefencastel. Ab jetzt wurde dem GPS verboten Routen über Autobahnen zu berechnen.
Am 13. Septempber nach fast drei Jahren Aufenthalt in der Schweiz war es an der Zeit auch den Italienisch sprechenenden Teil der Schweiz kennen zu lernen. Eigentlich war es schon früher geplant, aber der Import des (neuen) W124 zog sich länger hin als ich dachte. Dann musste am Brummi noch die Stossdämpfer (hinten) und die hinteren Federn erneuert sowie der tropfende Kupplungszylinder ersetzt werden. Aber leider muss man, wenn man zum arbeitenden Teil der Bevölkerung gehört, das alles am Wochenende erledigen und diese sind stark begrenzt :-(((. Als der Sommer sich zum letzten Mal aufbäumte habe ich kurzerhand beschlossen mir drei Tage frei zu nehmen und das lang gesteckte Ziel der Alpenüberquerung endlich zu verwirklichen.
Der Mercedes auf den Strassen von Filisur
Ab Filisur werden die Strassen enger! Inzwischen kann ich es gut nachvollziehen, warum diese Passstrasse für Wohnwagen und LKWs verboten ist.
Als im Kofferraum des Daimlers die komplette Campingausrüstung (Gasflasche, Kocher, Zelt, Töpfe Wasserkanister, Kühltasche mit Proviant,.. ) verstaut und der Dieseltank voll war wurde mein W123 doch etwas hecklastig. Ich dachte:"Ach ne! Hätte ich doch die Heavy Duty Federn kaufen/einbauen sollen, welche ja scheinbar bei den Taxen standart waren! Naja dann muss es eben auch ohne gehen! Das nächste mal kaufe ich die Heavy Duty Federn, aber das wird hoffentlich frühestens in 10 Jahren nötig sein!"
Ein Blick auf die Alpen
Die Erwartungen steigen mit der Steilheit der Strassen an. Was wird es mein vollgepackter Brummi machen?
Ab Bergün wird der wenige Platz im Tal von der Strasse und der Zuglinie eingenommen. Die Strasse steigt steil an. Die Serpentinen werden enger. Wir sind im zweiten Gang angelangt und dieseln mit 40 vor uns hin.
Ein Blick aus dem Fenster des W123er auf die Alpen
Während der Fahrt ist die Benutzung des Handys verboten! Aber was ist mit Fotografieren?
Die Landschaft ist wirklich wunderschön. Man könnte an jeder Kurve anhalten und die Speicherkarte der Digicam füllen. Aber ein altes Diesel-Sprichwort sagt: "Lieber Kopf und Kragen riskieren als Schwung verlieren!". Der Fahrer ist froh, dass der Diesel die 40 im zweiten Gang hält. Ein freiwilliges Anhalten ist undenkbar! "Es muss weiter gehen!" Trotz der angenehmen Aussentemperaturen wird die Heizung voll aufgedreht um den Kühler zu entlasten. Das Kühlerwasser bleibt unter 100 Grad!
Der Mercedes auf dem Albula Pass
"Geschafft! Der Motor bekommt eine Abkühlung und der Fahrer eine Brotzeit!
Nach 182 km in 3 Stunden und 25 Minuten ist die Passhöhe (2315 m) erreicht. Die Temperatur ist sehr frisch. Ohne Jacke steigt man nicht aus. Brummi-Diesel ist nicht das einzigste Fahrzeug hier, aber wohl das Älteste ;-). Erstmal den Motor etwas abkühlen lassen d.h. im Stand etwas nachlaufen lassen, damit der Ventilator die kalte Luft ansaugen kann. Danach gibt es ein Fotoshooting und ein kleines Picknick.
Am See Lago Lugano
Der Ausblick entlang des Lago Lugano ist wirklich traumhaft. Allerdings muss bei den engen Strassen und dem vielem Verkehr die Dimensionen des Autos genau kennen, denn sonst wird es zum Albtraum. Kaffepause kurz vor der Schweizer Grenze.
Vom Albula-Pass ging die Fahrt weiter nach St. Moritz (1800 m. ü. M.). Dort gab es einen kleinen Zwischenstop und eine Dorfbesichtigung zu Fuss. St. Moritz ist sehr berühmt, man fragt sich nur warum? Einfach nur deshalb, weil alles so teuer ist? Jedenfalls fand ich nichts, was es wert gewesen wäre den Speicherplatz der Digicam zu belegen. Ich spielte mit dem Gedanken einen Türsteher zu fragen, ob ich meinen Brummi auf der Auffahrt eines Luxus Hotels fotographieren darf, aber dann dachte ich, dass er wohl wenig Freude daran hätte, also lies ich es bleiben. Unweit von St.Moritz kam der Maloja Pass; die Abfahrt nach Italien. Eine wahnsinns Strecke, innnerhalb kürzester Strecke ist man 500 m tiefer. Normalerweise rosten beim 200D die Bremsen ständig zusammen, weil man sie eh nie braucht, aber hier wurden die Bremsscheiben mal kräftig poliert! Ich fuhr im 2. Gang und trotzdem musste ich ständig auf die Bremse! In Italien angelangt stellte ich ziemlich schnell fest, dass die GPS Landkarte erhebliche Lücken enthält. Auch ist der Empfang durch die hohen Bergen und tiefen, engen Häuserschluchten sehr bescheiden. Aber zum Glück gibt es noch hier und da Schilder. Und falls man sich gar nicht mehr auskennt fährt man einfach dem Haupstrom der Autos nach. Die meisten waren wohl eh Touris mit dem gleichen Ziel. Kurz vor Lugano habe ich mir einen Kaffee gekocht. Eine Reisegruppe aus den USA kam vorbei und war total begeister von meinem Brummi mit Schweinchen und GPS und dem Fahrer, der sich hier einen Kaffee kochte. Zum Abschied ging ein Foto von mir und Brummi auf den Weg in die USA.
45.98891N/8.88333E
Nur wenige Meter entfernt von meinem Laternen-Parkplatz, mein erstes Nachtquartier.
In Lugano angekommen (17:54 Uhr), gab es erst mal eine Stadtwanderung (2h) um sich auch etwas die Beine zu vertreten. Es wurde dunkel und ich hatte kein Bedürfnis jetzt noch einen Campingplatz zu suchen und bei Nacht das Zelt aufzubauen. Also fuhr ich an den Stadtrand und suchte mir ein ruhiges Plätzchen um etwas aus der Kühlbox zu bruzeln. Dann gab es noch einen Schlummertrunk mit Seeblick und der Beifahrersitz wurde zum Schlafen runtergekurbelt.
Gefahrene Kilometer laut GPS: 355 km

2. Tag, 14.Sep.2005

Wer eine Reise tut kann was berichten: So z.B. ein Frühstück an der Friedhofsmauer
Idealer Frühstücksplatz! Es war ruhig, gab Wasser aus dem Hahen und die Morgensonne lachte einem entgegen.
Ich war mir nicht ganz sicher wo ich stand. War es privat, oder öffentlich? Jedenfalls stand ich im Grün und ich dachte, bevor sich noch jemand wichtig macht, verzieh ich mich. Also fuhr ich bei Tagesanbruch weiter und suchte mir ein Plätzchen zum Frühstücken. Kurz darauf fand ich einen Friedhof mit angrenzendem Parkplatz. Die Parkzeit war für 2 h begrenzt, aber so lange wollte ich auch nicht frühstücken :-)
Touristischer Höhepunkt: Wochenmarkt in Luino
Wochenmark in Luino. In Hülle und Fülle gibt es Käse , Parmaschinken und Klamotten!
Nach den Frühstück ging es weiter nach Luino (Italien). Das GPS funktioniert ganz gut. Jedoch ist der Empfang in den engen Gassen der Altstadt wieder sehr bescheiden. Nach einer längeren Parkplatzsuche ging es Fuss zum Wochenmarkt. Zum Glück hatte ich den Parkplatz im GPS gespeichert, sonst hätte ich später das Auto stundenlang suchen müssen. Auf dem Markt scheinen die Italiener in der Minderheit zu sein. Es herscht ein enges Geschiebe. Nur beim Käse gab es etwas Platz. Warum wohl? ;-) Nach einer Tour durch den Markt ging es weiter in Richtung Locarno. Das GPS macht mal wieder Schwierigkeiten und durch den Markt sind einige Strassen gesperrt. Nun kommt die Regel der alten Zeiten zum Zug: Erstmal in der Grobrichtung raus aus der Stadt! Das genaue Ziel wird dann ausserhalb anvisiert.
Kaffepause am Lago Maggioro
Ein romantisches Plätzchen habe ich hier gefunden. Aber die vielen Tempos unter den Büschen verrateten, dass hier auch schon andere "Notstops" eingelegt wurden
Als ich die Stadt im Rücken hatte und wieder eine romantische Strasse befuhr, war mir nach Kaffee. Ich suchte ein nettes Plätzchen. Zu blöd, dass der See auf der anderen Strassenseite war und die Parkplätze nie beschildert sind. Wenn man sie sieht ist man bereits schon daran vorbei gefahren! Als ich an bereits drei Möglichkeiten vorbeigebraust war, beschloss ich zu wenden und einen der gesehenen Plätze erneut anzusteuern.
Abenromantik am Hafen von Locarno
Auch im Yachthafen in Locarno hier wirds es abends Dunkel ;-).
Bereits um 13:30 Uhr hatte ich den angepeilten Campingplatz am Rande von Locarno erreicht. Ich musste auf die Toilette und wollte Duschen. Toilette war Okay, die Duschen sahen auch sehr sauber aus, man benötigte jedoch Chettons, die es an der Reception gab. Diese war jedoch erst ab 14:00 Uhr besetzt. Daher machte ich erstmal ein Nickerchen im Schatten. Als um 14:30 immernoch niemand an der Reception war, schaute ich nochmals in die Karte und beschloss es auf einen Campingplatz weiter in der Stadtnähe zu probieren. Der Campingplatz dort sah sehr toll aus. Alte Bäume, die Schatten spendeten und gepflegte sanitären Anlagen. Dafür war der Preis auch nicht gerade zum schmunzeln. Fast 40 Franken für eine Nacht im Zelt! Aber in diesem Augenblick war es mir irgendwie egal. Ich wollte duschen und das Fleisch aus meiner Kühlbox bruzeln. Also löhnte ich, stellte mein Zelt auf und ging mal gemütlich Duschen. Wenigsten konnte man so lange Duschen wie man wollte und da habe ich gleichmal ordentlich gebrauch davon gemacht :-) Nach dem Essen ging es zu Fuss in die Stadt, welche ich als recht nett empfand. Nach dem Sonnenuntergang gab es einen kleinen Schlummerdrunk am See.
An diesem Tag wurden laut GPS nur 73 km gefahren

3. Tag, 15.Seb.2005

Das Camplager von Joachim Sauter
Zum Frühstück wurden alles im Kreis um den Stuhl aufgestellt.
Heute wurde etwas länger geschlafen. Um 8:00 Uhr stand ich auf und ging mich waschen. Danach wurde das Frühstück bereitet. Diesesmal klappte es schon besser. Es war wie immer lecker. Nach dem Abwasch und Zeltabbau, wurde das Auto beladen und ausserhalb des Platzes geparkt, dann ging es zu Fuss weiter nach Ascona. Auch ein nettes Städtchen! Um 12:30 Uhr war ich wieder am Auto. Nun wurde wieder Kurs auf die Heimat gegeben. Wieder wurde die Autobahn verboten. Man will ja etwas von der Landschaft sehen, welche man gerade durchquert!
46.32826N / 8.98045 E
Das letzte Kaffepäuschen vor der Passüberquerung
Auf dem Weg nach Airola wurde unterwegs nochmal etwas Diesel nachgetankt. Unter normalen Verhältnissen hätte der Diesel bestimmt bis nach Hause gereicht, aber ich wuste nicht, wieviel Diesel so eine Passüberquerung "kostet" und ich wollte nicht auf halber Strecke stehen bleiben, weil der Diesel alle ist. Kurz vor Airolo ca. 14:00 Uhr gab es eine Kaffepause.
Der W123 unter der Gotthard Autobahn
Warum den einfachen Weg, wenn es auch kompliziert geht?
Wir sind noch unterhalb der Autobahn, aber das wird sich bald ändern. Langsam kämpfen wir uns hoch. Die Spannung über die Passfahrt steigt ebenfalls an. Bei der letzten Passfahrt musste ich feststellen, dass der Diesel bei 2000 m ziemlich Russ erzeugt. Wird er dies diesesmal wieder tun? Wir werden es sehen!
Der 200D beim Aufstieg
Der Berg ruft!
Die gleiche Strategie wie beim letzten mal kommt zum Einsatz. 2. Gang und das Gas soweit durchtreten, dass der Zeiger auf 40 km/h steht. Der Motor zieht schön und die Temperatur bleibt im normalen Bereich. Die Umgebung ist schön. Es sind nur noch wenige Autos unterwegs. Einige Motorräder ziehen vorbei...
Folge deinem eigenen Stern, oder was sonst auf dem Kühler steht ;-)
??? Bin ich hier richtig??
Der Gotthard ist eine ewige Baustelle. Der Strassenverlauf wurde zick mal geändert. Man kommt an einen Abzweig und in beiden Richtungen ist der Pass ausgeschildert. Was nun? "Folge ich mal dem blauem Schild, denn grün ist eigentlich Autobahn!". Die GPS-Tante meldet schon seit zick Serpentinen resignierend: "Bitte wenden!". Ich frage mich: "Wo bin ich hier? Aber solange es aufwärts geht, kann ich eigentlich gar nicht so falsch sein!" Irgendwann mündet die blaue Strasse auf die Grüne. Also nun sind die beiden Strassen scheinbar doch vereint. Der Verkehr nimmt wieder zu. Der Pass ist wie eine Autobahn. Auf der aufsteigenden Spur gibt es teilweise sogar einen rechten Streifen, den ich rege nutze um die Karavane hinter mir vorbeiziehen zu lassen.
Der 200D vor dem Schweizer Apenpanorama
Jetzt bin ich oben!
Der letzte Anstieg zum Gotthard war autobahnmässig. Die Strasse war sehr gut in Schuss. Das einzige was einem verdeutlichte, dass man gerade einen Pass überqueren möchte ist dass Brummi ziemlich ziehen musste. Kurz vor einer Anhöhe war es relativ flach und ich hielt an, um den Ausblick zu geniesen. Eigentlich war es eine Nothaltebucht. Wohl für andere Autos gedacht. Der Ausblick war wirklich schön! Der Motor und das Heizungsgebläse lief weiter um den Motor zu kühlen.
Wir sind Helden ;-) Joachim Sauter und sein Brummi-Diesel
Ziel erreicht! Das Team: Brummi-Diesel und Joachim Sauter
Ein Schweizer Motorradfahrer gesellte sich zu uns um ebenfalls das Alpenpanorama zu geniesen. Ich bat ihn ein Foto zu machen. Zuerste weigerte er sich, da er sehr ungern (wörtlich) "einen stinkenden Mercedes" fotographiern möchte. Aber er machte es dann trotzdem und stand dazu sogar mitten auf die Fahrbahn. Herzlichen Dank du lieber Unbekannter! Ich bat ihm zum Abschied noch ein Kaugummi an und fragte, ob er nicht vorraus fahren möchte. Aber er lehnte dankend ab. Die Fahrt ging weiter, nach der nächsten Biegung kam ein Abzeig zu einem Bergrestaurant und die Fahrbahn neigte sich der anderen Talseite zu. Ich war oben! Schade dass es kein Passschild gab, zumindes habe ich keines gesehen!

Die Abfahrt auf der anderen Seite war weniger interessant. Es gab eine Baustelle, vor der sich einiges anstaute. Ich nutzte ein paar Gelegenheiten um die Autos hinter mir überholen zu lassen, denn ich kann es nicht leiden, wenn man mir so dicht auffährt. Die Strecke auf der anderen Talseite lernte ich schon 2003 kennen, daher war es auch nicht mehr so spannend. Über Altdorf, Brunni, Schwyz und Päffikon ging es zurück. Um 20:30 erreichten wir die Schweizer Heimat. Gefahrene Kilometer an diesem Tag: 244 km laut GPS.

Copyright Joachim Sauter 2005